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Goethe in Chemnitz

Kanal 8 meldet:

Ein lang andauernder Streit zwischen Historikern und Goetheforschern ist beendet.

Ein neu aufgetauchtes Beweisstück belegt nun, dass Johann Wolfgang von Goethe am 28. September 1810 Gast der Stadt Chemnitz war. Dies geht aus einem Tagebucheintrag von Friedrich Wilhelm Riemer, ein Freund Goethes, hervor.

Gemeinsam sollen sie die alte Bernhardtsche Spinnerei in Klaffenbach besucht haben.

Nun mag es zwar sein, dass ein entsprechender Tagebucheintrag Riemers (den als »Freund Goethes« zu bezeichnen ich auch für gewagt halte) neu aufgetaucht ist. Ich bin kein Riemer-Fachmann, und Werner Liersch betont in „Goethes Doppelgänger“ (Berlin: Volk & Welt, 1999. S. 218), es gäbe kein Riemersches Tagebuch von der Reise 1810. Warum allerdings Zweifel an einem Chemnitz-Besuch Goethes bestanden haben sollen, es gar einen Streit darüber zwischen Historikern (wer mögen die sein?) und Goetheforschern gegeben habe, ist eher unverständlich. Wer wollte, konnte immer schon in Goethes Tagebuch zum 28. September 1810 nachlesen:

Früh von Freyberg über Öderan nach Chemnitz. Daselbst zu Mittag. Nach Tische mit Hofrath Thiersch die Spinnmaschinen besehen. Abends nahm Dr. Seebeck Abschied. Vorher Unterredung mit demselben über verschiedene Ereignisse in der Litteratur, besonders über das Einschleichen der Unredlichkeit gegen die Sache. [SA III, 4, 156.]

Und in der Biedermannschen Ausgabe von Goethes Gesprächen findet sich unter der Nummer 3289 eben jener vorgeblich neu aufgetauchte Tagebucheintrag, den der Filmbericht bei Kanal 8 kurz zeigt:

Fortgefahren, über Ederan nach Chemnitz. Mit Hofrat Thiersch in die Baumwollenspinnerei zu 2500 und zu 27000 [2700?] Spindeln. Köstlicher Mechanismus, besonders von vorn herein, wie die Wolle zum Faden vorbereitet wird. Abends mit Goethe und Dr. Seebeck, Unterhaltung über Literatur und das Verderben, das durch Heyne und Friedrich Schlegel unter die jungen Leute gebracht worden. Abschied von Seebeck.

Naja, Hauptsache es ist eine Meldung, nicht wahr?

Ein Kommentar zu „Goethe in Chemnitz“:

  1. G. Rehn

    Hallo,
    ja, das war alles schon bekannt dem, der sich mit Goethe befasst. Was noch unklar war, welche Spinnerei hat er besucht. Es steht wohl so gut wie fest, dass es die Bernhardsche Spinnerei war.
    Wo er übernachtete? Ich habe gehört im „Hotel de Saxe“.
    Kann er noch einmal früher oder später i Ch. gewesen sein?
    Mir ist nichts bekannt, vielleicht durchgefahren.
    vG g.R.

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