Goethe im Profil

Fliegende Goethe-Blätter

Goethe in der modernen Welt

Mehr als 300 Jahre alt

Da lernen zwei Mädchen aus Trossingen das Recherchieren und die Schwäbische Zeitung berichtet darüber:

Antje Hermann (11 Jahre) und Ann-Sophie Hohner (10) überlegten gerade, welches der beiden Gedicht von Johann-Wolfgang von Goethe, die schon mehr als 300 Jahre alt sind, sie abschreiben sollen.

Erstaunlich, dass Johann Wolfgang von Goethe (ohne Bindestrich!) bereits mehr als 39 Jahre vor seiner Geburt Gedichte verfasst hat. Da hätte der Berichterstatter vielleicht doch noch einmal die Anwendung der Grundrechenarten recherchieren sollen.

125 Goethe-Gesellschaft

Gestern fand ich bei Focus Online Kultur eine hirnlos umkopierte dpa-Meldung:

Wer sich nur eine Spur mit dem Thema Weimar und Goethe beschäftigt hat, weiß natürlich, dass sich bereits zu Goethes Lebzeiten, also schon lange vor 1832 zahlreiche Goethe-Verehrer und -Touristen in Weimar eingefunden hatten. Dass es sich bei Goethe um eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt gehandelt hat, kann man leicht den zahlreichen Dokumenten in den Quellensammlungen von Wilhelm Bode und Flodoard Freiherr von Biedermann entnehmen.

Eigentlich wollte ich es unkommentiert vorüberziehen lassen, aber wie das bei Unfug so ist: Er zieht zuverlässig Kreise:

So sei dem Quatsch wenigstens hier einmal widersprochen.

Ein neu philosophie fuer alles

Goethe regt die Kreativität an: Bei glogster.com kann man großflächige Collagen erstellen, so zum Beispiel auch diese:

Ich verweise besonders auf das zusammenfassende Urteil rechts unten!

Deko ohne Inhalt

Auf eBay Österreich wurde angeboten:

Bislang wollte niemand die Flasche erwerben; sie steht derzeit also noch immer zum Verkauf, allerdings unter der harten Bedingung, dass der Verkäufer keine Rücknahme gestatten will.

Gespräche mit Goethe als Echtzeit-Blog

Nachdem Giesbert Damaschkes Blog mit dem Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller nun fast ein Jahr lang läuft, stellt ihm der Münchner Germanist ein weiteres Echtzeit-Blog an die Seite: Ab dem 10. Juni 2010 erscheinen in gleicher Manier die „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“ von Johann Peter Eckermann:

http://www.gespraeche-mit-goethe.de/

Ich habe auch dieses Blog in der Seitenleiste verlinkt.

Lose Seiten, alt wie die Dampflok

In den Stuttgarter Nachrichten dokumentiert Cedric Rehman seine kulturelle Ahnungslosigkeit:

Anscheinend ist es inzwischen vergessen worden, dass bereits 1985 einmal ein Feuilletonist geschasst wurde, weil er Goethe und die Eisenbahn in einen Gedankenzug gepackt hatte. 1835 jedenfalls haben weder Schiller noch Goethe noch irgendwelche „Meisterwerke“ geschrieben.

Interessant ist auch, dass der junge Autor meint, wenn Bücher erst noch zum Buchbinder getragen wurden, müsse es sich dabei offenbar um lose Seiten gehandelt haben. Na ja, vielleicht nimmt ihn einer der älteren Kollegen der Redaktion mal beiseite und erklärt ihm, wie die kleinen Bücher vor den Zeiten Emil Lumbecks gemacht wurden.

Geister im „Faust“

In der Frankenpost macht sich Leserbriefschreiber Dr. Wolfgang Tuchlinski aus Waldershof Sorgen um die nukleare Abrüstung und resümiert:

[…] denn: ,Die Geister, die ich rief, die werd’ ich nicht mehr los’ – wie Goethe im ,Faust’ schon schrieb.

Selbst, wenn man nicht weiß, wo Goethe das geschrieben haben soll, könnte die ungelenke Grammatik des Zitats den Verdacht in einem aufkommen lassen, dass hier etwas nicht stimmen kann. So holprig hat Goethe gemeinhin nicht gedichtet, und Knüttelverse sind das auch nicht.

Zum Glück hat Goethe natürlich geschrieben:

Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.

Und bekanntlich steht es in der Ballade „Der Zauberlehrling“. Aber sonst stimmt’s.

Wer kennt es nicht?

Beim MDR schreibt Andreas Keßler über Erlkönige der Autoindustrie und meint:

“Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Das ist der Vater mit seinem Kind…” Wer kennt es nicht, das klassische Gedicht von Goethe.

Nun, wenigstens Herr Keßler kennt es offenbar nicht (und er war auch zu faul nachzuschauen), denn sonst wüsste er, dass es heißt:

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;

Goethes Katze

978-3-86671-061-0 Auf den ersten Blick ein Stück Goethe-Kitsch, wie er sich häufig findet, auf den zweiten in Teilen eine hübsche, wenn auch milde Satire auf das Weimar der Goethe-Zeit und seinen Dichter. Die Vorgeschichte, die der als Ich-Erzähler auftretenden Katze eine Herkunft vom französischen Kaiserhof zuschreibt, ist ein wenig lang und umständlich geraten. Auch sonst finden sich zwischendurch Episoden, die eher beliebig geraten sind, aber ausgeglichen werden sie durch nette Passagen, in denen sich in den Eigenarten und Eitelkeiten des Erzählers diejenigen des Weimarer Dichterfürsten widerspiegeln. Man hätte sich ein kleines Nachwort gewünscht, aus dem man mehr über den Autor Svend Leopold (1874–1940) erfahren hätte. Insgesamt: Nett zu lesen, gut als unverbindliches Geschenk geeignet.

Svend Leopold: Goethes Katze. Oder: Dichtung und Wahrheit. Aus dem Dänischen von Mathilde Mann. Berlin: Autorenhaus Verlag, 2010. edition tieger. Leinenrücken, 155 Seiten, 14,90 €.

Die Seele, die liebt

Bild.de erklärt in einem Service-Special, was manisch-depressiv bedeutet:

„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ heißt es in einem berühmten Goethe-Gedicht. Diese Worte werden oft verwendet, um einem Laien manische Depressionen zu erklären. Doch diese Beschreibung stimmt nur mit Einschränkungen.

Nun heißt es bei Goethe natürlich „zum Tode betrübt“, und es ist auch kein berühmtes Gedicht, in dem es so heißt, sondern ein kleines Liedchen, das Clärchen im „Egmont“ singt, aber wichtig ist auch eher, dass die Beschreibung „nur mit Einschränkungen“ stimmt. Was auch kein Wunder ist, wenn man sich den Text bei Goethe einmal genau anschaut:

Freudvoll
und leidvoll,
gedankenvoll sein,
Langen
und bangen
in schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend
zum Tode betrübt,
Glücklich allein
ist die Seele, die liebt.

Bei Goethe fehlt nämlich das Komma zwischen “Himmelhoch jauchzend“ und “zum Tode betrübt”. Es ist also nicht gemeint, jemand fühle sich einmal so und ein andermal so, sondern die liebende Seele fühle beides zugleich. Was nun aus den unterschiedlichsten Gründen mit einer manischen Depression gar nichts zu tun hat.

Aber ein Goethe-Zitat als Auftakt – und mag es noch so falsch sein – macht sich bekanntlich immer gut.

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